< Back | Alle Artikel anzeigen Abschied von ePilot Mobility GmbH – Ein Kapitel endet

veröffentlicht 28 Feb 2025

Lesedauer: 3 Minuten

Ich erinnere mich noch gut an den 08.08.2019. Ein bewusst gewähltes Datum, das meine damals neueste Firmengründung markieren sollte. Es sollte alles anders kommen als gedacht.

Zunächst als Solo-Gründer baute ich ein kleines Team auf, um den Markt für E-Auto-Abos zu revolutionieren. Doch der plötzliche Einschnitt durch die COVID-19-Pandemie machte es nahezu unmöglich, "Elektro auf die Straße" zu bringen. Bestellte E-Autos hatten Lieferverzögerungen von über einem Jahr, und die operative Umsetzung wurde zur Herausforderung.

Ein unerwarteter Kontakt sollte meine unternehmerische Reise weiter beeinflussen: Beim Einlösen eines Geburtstagsgeschenkes meiner späteren Ehefrau lernte ich beim Bootsführerschein meinen Geschäftspartner Christopher Alexander Kahl kennen. Als Personal Trainer und Fitness-Influencer bot er sich an, Kapital für unser Vorhaben in seinem Netzwerk einzuwerben. Nach intensiven Verhandlungen sicherten wir uns ein Investment von Julia Näder, Tochter des Unternehmers Hans-Georg Näder (bekannt durch die Otto Bock Gruppe) aus Duderstadt.

Doch leider erwies sich die Entscheidung, die Julia Näder Ventures GmbH als Investor und Gesellschafter aufzunehmen, als der größte Fehler meiner bisherigen Unternehmerkarriere. Wenige Wochen nach Vertragsunterzeichnung und der Überweisung des Investments machte Frau Näder deutlich, dass sie das Geschäftsmodell wohl nicht vollends verstanden hatte. Es folgte Unruhe im Gesellschafterkreis. Sie stellte Herrn Kahl vor die Wahl: Seine Reputation in den Kreisen der wohlhabenden Kunden Berlins hinge davon ab, ob er das Investment von mir und der Firma zurückholen könne. Die illegale Weitergabe von Unternehmensdaten und Kommunikation durch Herrn Kahl führte in der Folge zu einer Flut von Anwaltsschreiben – ein Paradebeispiel dafür, wie die „Anwälte der Reichen“ ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Herr Kahl schied aus, und ich entschied mich – dem Seelenfrieden zuliebe – gegen ein Straf- oder Zivilverfahren. Dennoch bleibt das Verhalten der Beteiligten eine Schande für die deutsche Startup-Szene.

Nach weiteren Monaten und Jahren, zahlreichen Gerichtsterminen und unzähligen Gesprächen war klar: So konnte es nicht weitergehen. Zum Eigenschutz entschied ich mich für den Insolvenzantrag, um sicherzustellen, dass eine Restmasse für bestehende Verbindlichkeiten zur Verfügung steht.

Heute, am 28. Februar 2025, verlasse ich ePilot Mobility GmbH endgültig. Eine halbe Million Euro ärmer – durch Gehaltsverzicht und Unternehmerdarlehen – habe ich eine bittere, aber wertvolle Lektion fürs Leben gelernt: Wähle die Menschen, die deine unternehmerische Reise begleiten, äußerst selektiv aus. Geld von Investoren und viele luftige Versprechen sind nicht alles.

Ein Kapitel endet, aber die Reise geht weiter.

Hochachtungsvoll,
Dennis Weidner